Wenn ich eins gelernt habe in meiner Zeit als Dozentin für Schauspiel und Regie, dann das: Jeder Mensch möchte eine Spur in anderen, einen Fußabdruck in dieser Welt hinterlassen. Und zwar nicht nur Künstler, nicht nur Schauspieler. Ich bin der festen Überzeugung, dass sogar diejenigen, die diesen Wunsch nicht ausdrücklich empfinden, ihn dennoch in sich tragen.

Die Idee, unvergesslich sein zu wollen

Warum in Erinnerung bleiben, warum „wirken“? Ach, von vielen Seiten her lässt sich darauf antworten:

  • Der (anscheinenden oder scheinbaren) Zufälligkeit unserer Existenz kann man ein eigenes Wozu entgegensetzen.
  • Vielleicht sind auch Geld, Erfolg und Ansehen nur mess- und sichtbare Statthalter für Impact, für die Fähigkeit, etwas zu bewirken.
  • So Vieles formt uns, ohne dass wir darauf wirklich Einfluss nehmen können … Was formen wir? Wirklich (in Teilen) nur uns selbst?
  • Macht es einen Unterschied, ob wir sind oder nicht sind? Und nur für diejenigen, die uns nahestehen? Wie groß ist dieser „inner circle“? Wie goß kann er werden, im Laufe eines Lebens?
  • Die kindliche Frage: „Warum bin ich Ich, und nicht jemand anderes?“ (ich hoffe, du hast sie dir einmal gestellt) wird später zur erwachsenen Überlegung: „Was ist das, was mich ausmacht?“ – Und: „Wie kommt das zum Ausdruck und zur Geltung?“

Besonders die letzte Antwort-Variante finde ich sehr nachvollziehbar. Nicht nur, weil ich mich auch heute noch unendlich wundern kann über diesen exorbitanten Zufall: da laufe ich ein ganzes Leben lang herum – als Elma. Nicht als jemand anderes. Es ist (nur) mein Leben, meine Bühne und all die Statisten in diesem Elma-Lebens-Spiel haben ja gleichwohl ihre eigenen Zentren… Wie unglaublich erschütternd, dass ich nicht jemand anderes bin und eine dieser anderen Bühne bespiele (womöglich noch mit einer Elma als Statistin am Rande)!

Ein Frauengesicht mit goldenem Himmel im Hintergrund

Impact

Jetzt sollte gleich Mehreres klar geworden sein:

  • Ich komme und denke vom Theaterbereich her und konzipiere das Thema „Auftritt“, „Präsenz“, „Wirkung“ durch die entsprechenden Metaphern.
  • Und ich gehe den Gedanken „Impact“ eher philosophisch als psychologisch oder soziologisch an.
  • Ich glaube an eine existenzielle Notwendigkeit, sich auszudrücken und Wirkung zu entfalten. Es ist keine charakterliche Frage, keine Eitelkeit oder Geltungssucht. Sondern ein zutiefst menschliches Bedürfnis: Werde, was du bist. Um dies aber werden zu können, brauchen wir die „Bühne“, die uns auftreten lässt, damit wir sein können… Um dies werden zu können, brauchen wir den Ausdruck und dessen Reflex in anderen, in der Welt. Dieser Reflex ist der Eindruck, den unsere Persönlichkeit mit ihrem Erscheinen hinterlässt. Ein Eindruck in anderen, eine Spur oder ein Abdruck unserer selbst in der Welt.
Eine Frau spielt am Strand mit Wasser

Die Kehrseite existiert auch

Nun hast du auch festgestellt: ich verwende den Begriff „unvergesslichwerden“ in einer positiven Bedeutung. Natürlich bleiben Menschen auch aufgrund schrecklicher Taten in Erinnerung und verändern die Welt durch Hass und Verbrechen. Und es wäre naiv, zu glauben, dass eine wirksame Präsenz immer nur hohen, moralisch einwandfreien Zielen dient. Das tut sie nicht. Sie kann für Manipulation, für Destruktion eingesetzt werden.

Und wenn ich darüber spreche und aufzeige, wie Präsenz entsteht und ihr volles Potential entfaltet, dann muss ich darauf setzen und vertrauen (ja, wenn möglich, sogar sicher stellen), dass meine Unterstützung und mein Training für das eingesetzt wird, was ich für ein zutiefst menschliches Bedürfnis halte, für Selbst-Verwirklichung und nicht für egozentrischen Wahnsinn und für Machtstrategien.

Nach so viel Prinzipiellem nun endlich Konkretes: Wie wirst du unvergesslich?

Deine Inhalte

Dein Fußabdruck entsteht durch das Gewicht des Rucksacks, den du mit dir trägst. Es sind deine Inhalte, deine Erfahrungen, deine Perspektive, dein Wissen, deren Schlüssel aber deine Persönlichkeit bildet. Es gibt sie nicht ohne dich.

Damit ist auch schon gesagt, dass deine „Expertise“ eigentlich nicht von deiner Person zu trennen ist. Sie ist kein angelerntes Wissen oder antrainiertes Können. Sie besitzt die Ecken und Kanten deiner überwundenen Misserfolge, den bitteren Geschmack der Irrwege, die Süße deiner Errungenschaften, das Lachen über die von dir entdeckten Abkürzungen, das Feuer deiner Mission … Diese Art der Expertise – konkret und persönlich – wäre dann wohl eher ein „Buckel“ als ein Rucksack, den du uns einfach so überreichen könntest. Ein Buckel, der – Ästhetik hinten an gestellt – gar nicht groß genug sein kann!

Die Relevanz deiner Inhalte besteht darin, dass sie anderen – weit über das Informative und adaptierbare Können hinaus – einen neuen Blick auf sich selbst und die Welt schenken. Sie werden – vermittelt durch deine Persönlichkeit – dann ein Teil ihrer selbst. Das geschieht aber nur dann, wenn sie durch deine Inhalte einen neuen Weg einschlagen und diese sie abseits der breiten Straße des schon Bekannten führen. Sie sind dann „abseitig“, beleuchten eine ungesehene Nische oder verändern den Blick auf das Gewohnte.

Der Philosoph und Expressionist Ernst Bloch, zum Beispiel, stellt in seinem Buch „Spuren“ die Frage: „Wie sieht das Zimmer aus, wenn man es verlässt“? Ist es dasselbe wie jenes, das sich unseren Augen darbietet, wenn man darin ist? Was ist unser Anteil an der Wirklichkeit? Wie verändernd, verfälschend oder verdeckend, ist unser Blick?

Welche Fragen und welche Antworten beschäftigen dich brennend, so dass sie die bekannte Wirklichkeit in neues Licht tauchen? Welche Entdeckungen, Verknüpfungen und Anwendungen treiben dich an?

Deine Inhalte sind jene, die es nur durch und mit dir gibt. Sie sind nicht unbedingt „neu“ im Sinne bahnbrechender Erkenntnisse oder Erfindungen. Sie sind persönlich, ehrlich und nahbar. Jenseits wissenschaftlicher und technischer Perfektion öffnen sie die Tür zu einer einmaligen Reise.

Eine weisse Tür vor einem dunkel bewölkten Himmel

Deine körperliche Führungskraft

Wir sind keine „Gehirne im Tank„. Wir nehmen andere immer als körperliche Wesen wahr, egal wie intellektuell ihr Anliegen auch sei. Als Expertin wird deine Sprache geformt durch deine Stimme und deinen körperlichen Ausdruck, und deine Inhalte erreichen mich nicht bloß als abstrakte Gedanken.

Es ist die Verkörperung des Denkens in deinem Auftreten, in deiner Präsenz, in deinem Sprechen, die andere emotional berührt. Unterschätze nicht diese Macht: die Macht echter körperlicher Präsenz!

Diese Präsenz hat ihre Quelle in der Klarheit deiner Absichten und den ihnen zugeordneten Körperspannungen. Diese sind eine Art „körperliche Seite“ deiner Gedanken. Deine körperliche Präsenz bildet das, was ich die Energie deines Auftretens nenne. Damit meine ich also kein esoterisch geartetes Fluidum, sondern das Maß und die Qualität der Spannung deiner zentralen Körperregion. Die Quelle und Sitz dieser persönlichen Energie ist der Beckenbereich. Von hier aus strahlt die Spannung aus und sollte dabei nicht Körperbereiche lahmlegen oder blockieren. Diese Spannung ist eine Handlungs- und Bewegungsbereitschaft. Wird sie fest, wird sie zu einer Ver-Spannung, dann verunmöglicht sie Ausstrahlung, indem sie einen eisernen Vorhang zieht zwischen meinem Inneren und den anderen Menschen, die ich eigentlich erreichen will.

Deswegen spreche ich im Zusammenhang mit der Präsenz auch von der Notwendigkeit eines „durchlässigen“ Körpers. Denn er muß die Absichten und Emotionen für andere Menschen wahrnehmbar werden lassen. Etwas altmodisch formuliert könnte man dann von einem „beseelten“ Körper sprechen – und umgekehrt davon, dass Inneres sich für andere erlebbar „verkörpert“. In dieser Kongruenz von Innen und Außen liegt eine enorme Faszinationskraft! Sie verbürgt Echtheit, Authentizität, Vertrauenswürdigkeit … und diese gewisse Offenheit, die wir automatisch mit Sympathie beantworten.

Eine Frau von hinten, die in die Luft springt

Dein Körper wird dann zu einem „Führungsinstrument“. Weil er deiner inneren Präsenz Ausdruck verleiht und darüber hinaus Kontakt zu anderen herstellt. Lebendiger Kontakt nämlich ist nicht der Austausch von Meinungen, Wissen oder Erfahrungen (auch wenn wir dafür manchmal den Ausdruck „Kontakt“ verwenden). Im Kontakt wird der andere für mich und ich für den anderen erlebbar. Das heißt ganz konkret und körperlich: dein Blick sucht den Blick des anderen (und bietet sich auch dem Blick des anderen an), dein Fokus, die Ausrichtung deiner körperlichen Energie ist der andere (du wendest dich ihm zu), du wählst eine Position im Raum, in der du für andere im Fokus stehen kannst, du veränderst etwas an deinem Körper (deine Position, deinen Fokus, eine Bewegung oder Geste) in Abhängigkeit und als Reaktion auf eine Aktion deines Gegenübers.

Damit entsteht zwischen dir und dem anderen eine Art unsichtbarer Tanz. Die Verbindung ist ein Band, das du zwar geknüpft hast, zwischen dir und dem Gegenüber, das aber nun dich gleichermaßen bindet wie ihn.

Das ist überhaupt eine bemerkenswerte Geschichte: Im vollendeten Führen, im „Flow“ wird ununterscheidbar, wer der Führende und wer der Geführte ist. Das ist meiner Meinung nach die Vollendung der Führung aus der eigenen Präsenz heraus: wir bringen einen Vorgang ins Rollen, auf dessen Höhepunkt mein Gegenüber so sehr in eine gemeinsame Situation eintaucht, dass er meine Führung nicht mehr als ihm fremd und von außen her kommend empfindet. Es fühlt sich so natürlich an wie eine eigene Entscheidung. Und tatsächlich, das ist sie dann auch! Deswegen empfindet dann auch der Führende seine eigene Rolle nicht mehr als bestimmend und wird zugleich zum Geführten. Im Flow wird deutlich, wie sehr Führen und Geführtwerden einander bedingen, dass auch Geführtzuwerden eine Entscheidung ist.

Wenn Führen ein Wollen im anderen erzeugt (und nicht nur ein Tun), dann kann es wie ein Verführen wirken: Ich lasse durch einen Präsenz ausstrahlenden Körper jemanden nicht nur etwas tun, ich lasse ihn etwas tun wollen … Verführung aber wird von uns freiheitsliebenden Wesen meistens negativ bewertet und in die Nähe der Manipulation gerückt.

Nun … es ist eine besondere Art der Ver-Führung, welche hier via Körper geschieht, eine Art, die sie zum Gegenteil von Manipulation macht. Denn in der Körperlichkeit der Führung engagiert sich der Führende selbst und geht damit immer in Vorleistung. Die Manipulation dagegen ist dadurch definiert, dass hier nur im anderen ein Effekt ausgelöst wird, während der Erzeuger dieser Wirkung unbewegt bleibt.

Um anderen in Erinnerung zu bleiben wird dir dein Geist, dein Verstand und dein Sprechen für sich betrachtet nichts nützen. Denn erlebbar machen wir uns nur körperlich; durch einen Körper, der das Innere durchscheinen lässt und über Energie, Position und Timing Kontakt zu anderen herstellt.

Dein handelndes Sprechen

Sprechen ist so viel mehr, ja im Grunde etwas ganz anderes als das Weitergeben von Informationen. Sprechen ist Handeln, ist – auf vielfältigste Art – ein Mit-Teilen deiner Persönlichkeit und deiner Welt.

Dieser Moment des Teilens geschieht nur im Hier und Jetzt. Kein Vor-Tragen vorgefertigter Inhalte, kein „deliver the message“. So sehr es richtig ist, dass dein „Vortrag“ inhaltlich vorbereitet, ja, schriftlich zuvor fixiert wurde, so entscheidend ist die Aktualisierung im Moment der Darbietung.

Dafür stellt Schauspielmethode Techniken bereit, die aus deinem Vortragstext eine Handlung machen, indem sie ihn – statt auf seinen Inhalt – auf das hin betrachten, was du mit deinen Inhalten tust. Auf der Wissensebene bist du deinem Publikum immer weit voraus, du kennst das „Ende der Geschichte“, handelnd aber teilst du Zeit und Ort deiner Zuhörer. Du führst zwar ihre Reise an, aber nur, indem du den Weg zeitgleich mit ihnen gehst.

Die Klarheit deines Sprechens ergibt sich dann nicht einfach aus deinem Wissensstand. Sie entsteht vor den Augen und Ohren der anderen als Selbstklärung, eine Aktion, die dann ebenso in ihren Köpfen geschieht.

Jede Handlung besitzt ein Warum oder Motiv und ein Wozu, eine Absicht. Diese beiden Bedingungen des Handelns drücken und ziehen die Handlung voran. Aus einem Motiv heraus und mit einer Mission „sprech-handeln“ macht aus einem Vortrag eine Darbietung.

Eine Frau pustet bunte Schnipsel aus einem offenen Buch auf den Betrachter zu

Be the difference

„Unvergesslich“ ist kein reiner Inhalt, sondern eine Persönlichkeit, die wir mit „ihren“ Inhalten identifizieren.

In Erinnerung bleibt nur Individualität. Individualität im Sein und im Ausdruck ist nicht schon erreicht durch das Weglassen von Verstellung (und damit „ganz einfach“). Individualität ist aktives Sich-Entgegenstemmen, gegen den Wunsch, sich zu verstecken, es sich im „Normalen“ und „Gewöhnlichen“ gemütlich zu machen, gegen die Angst davor, gesehen und beurteilt zu werden, gegen ein sich „Festleben im Alltag“, das unsere Besonderheit verschleift.

Individualität, Eigen-Sinn zu leben ist die paradoxe Aufgabe, auf den Boden erst springen zu müssen, auf dem wir schon stehen. Mit anderen Worten: es reicht nicht zu „sein“, diesem Sein muss Ausdruck verliehen werden – körperlich und sprachlich, durch Präsenz und Rede.

Eine Frauensilhouette im Gegenlicht

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